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Bergischer Geschichtsverein e.V. XXXIII. Nachlass Johann Victor Bredt

Collection: XXXIII. Nachlass Johann Victor Bredt ( Bergischer Geschichtsverein e.V. )

About the collection

Johann Victor Bredt stammt aus einer bekannten alteingesessenen Barmer Kaufmannsund Unternehmerfamilie, die ihren Ursprung in dem Hofgut Bredde an der Bartholomäusstraße Ecke Bredde hatte. Das Hofgut wurde Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Sein Großonkel Wilhelm August Bredt (1817-1895) war von 1857 bis1879 Oberbürgermeister von Barmen. Johann Victor Bredt wurde am 2. März 1879 am Mühlenweg 45 in Barmen geboren. Sein Vater Victor Richard Bredt (1849-1881) war ein erfolgreicher Großkaufmann und Fabrikbesitzer in Barmen und, wie es damals üblich war, bekleidete das kommunale Amt eines Stadtverordneten, der politisch gesehen den Freikonservativen nahestand. Er war einer ihrer Gründungsväter. Seine Mutter Henriette, geb. Koll, stammte ebenfalls aus einer Honoratiorenfamilie. Nach dem frühen Tod des Vaters übernahmen der Großvater Victor Bredt (1820-1887) und Adolf Vorwerk neben der Mutter Henriette die Erziehung des noch kleinen Victors. Nach Privatunterricht in der Familie und einem kurzen Besuch der Volksschule besuchte Bredt das Realgymnasium5 an der Bleicherstraße und legte dort 1897 sein Abitur ab.

Nach dem Abitur 1897 absolviert Johann Victor Bredt eine einjährige Bankausbildung, ein sogenanntes Volontariat, beim Barmer Bankverein.6 Im Jahr 1898 nahm Bredt sein Studium der Rechtswissenschaften, Nationalökonomie, Geschichte und Philosophie auf. Er immatrikuliert sich an der Universität Tübingen und setzte sein Studium in Göttingen und Bonn fort. Unter anderem hört er bei den Professoren Friedrich Julius von Neumann und Gustav von Schönberg in Tübingen und bei Professor Eberhard Gothein in Bonn. Am 13. Juni 1901 legte Bredt das erste juristische Staatsexamen ab und trat seine Referendarstelle beim Arbeitsgericht Königswinter an. Ein Jahr später promovierte er zum Dr. jur. in Leipzig. Noch im gleichen Jahr heiratete er seine Cousine Ada Bredt (1878-1950) und wurde ein Jahr später Vater der Tochter Ada. Johann Victor Bredt, Ende der 1930er Jahre. –

Durch seine zweite Promotion im Jahr 1904 in Nationalökonomie erhielt er den Titel Dr. phil. Nach ersten Erfahrungen in Stadtverwaltungen bei Behörden und Ämtern, so geschehen in Barmen, entschied er sich für eine wissenschaftliche Tätigkeit und universitäre Laufbahn und habilitiert sich 1909. 1910 erhielt er den Lehrstuhl für Staats-, Kirchen und Völkerrecht an der Philipps-Universität in Marburg.

Im gleichen Jahr begann auch seine politische Karriere. Er wurde Stadtverordneter in Marburg und behielt sein Mandat bis 1924. Bereits ein Jahr später (1911) wurde er für die freikonservative Partei ins preußische Abgeordnetenhaus in Berlin gewählt und reiste am 27. Januar 1912 nach Berlin. Unmittelbar nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 1. August 1914 meldete sich Bredt freiwillig zum Heer. Nur wenige Monate später erlitt er in Ostpreußen nach der Schlacht bei Tannenberg bei einer Kurierfahrt eine schwere Verletzung, als ihm eine Kugel den Unterkiefer zerschmetterte und das Kinn fast wegschoss. Damit endete sein Einsatz an der Front. Nach den zahlreichen, notwendig gewordenen Operationen war Bredt in der deutschen Zivilverwaltung Polen tätig. Auch während der Kriegszeit setzte er sich für politische Reformen ein und beteiligte sich an der Diskussion über die Änderung des Dreiklassenwahlrechts. Nach der Novemberrevolution 1918 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), einer Partei, in der sich verschiedene konservative politische Strömungen trafen. Zwei Jahre später verließ er die Partei wieder, weil sich die DNVP am Kapp-Putsch8 beteiligt hatte.
Seine politische Grundeinstellung nach dem Ende des Kaiserreichs war weiterhin monarchistisch, er stellte sich aber nach und nach auf die neuen republikanischen Verhältnisse ein und versuchte, Einfluss im national-konservativen Sinn zu nehmen. Seine neue politische Heimat war nun die Wirtschaftspartei, eine Interessengruppe des Mittelstandes. Für diese Partei zog er 1924 als gewählter Abgeordneter in den Reichstag ein und wurde schnell der führende Politiker dieser Partei, die im Weimarer Parteienspektrum zwischen liberalen und konservativen Gruppierungen stand.

In der Weimarer Republik wechselten die Regierungen ständig, so auch im Jahr 1930, als die große Koalition unter dem SPD-Kanzler Hermann Müller ihr Ende fand. Die Zeit der Präsidialkabinette10 begann mit Heinrich Brüning von der Zentrumspartei. Bei der 6. Reichstagswahl am 31. Juli 1932 erreichte die NSDAP zum ersten Mal die Mehrheit der Abgeordneten im Reichstag. Die anderen Parteien verloren rasant an Zustimmung der Bevölkerung, so auch die Wirtschaftspartei Bredts. Am 5. Dezember 1930 zog die Wirtschaftspartei ihren Justizminister ohne Zustimmung Bredts zurück; er erhielt seine Entlassungsurkunde, blieb aber bis 1932 noch Reichstagsabgeordneter. Nach der „Machtergreifung“ Hitlers löste sich die Wirtschaftspartei auf. Bredt zog sich aus der Politik zurück und widmete sich neben seiner Universitätstätigkeit seinen Forschungsarbeiten zur Geschichte seiner Heimatstadt, inzwischen Wuppertal, darunter zahlreiche Familiengeschichten etwa über die Familien Bredt, Molineus, Siebel und Greef. Am 1. Dezember 1940 starb Johann Victor Bredt in Marburg an einem Herzinfarkt. Er wurde am 5. Dezember im Familiengrab auf dem reformierten Friedhof an der Hugostraße in Barmen beigesetzt.

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